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Die alten Lieder - cum grano salis zu genießen. . .
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Fröhlich Sein und Singen (Audio CD) Es sind die alten Weisen, die einem entgegenklingen und jedem gelernten DDR-Bürger bekannt klingen dürften, sei er nun Pionier gewesen oder - seltene Ausnahme - auch nicht, denn im Musikunterricht waren sie eh dran. Man mag sie gern haben oder sie verabscheuen, dokumentarischen Wert haben sie nun allemal!
Natürlich sind diese Lieder dennoch von unterschiedlicher Wichtung, schon rein musikalisch, aber auch inhaltlich. Musikalisch bürgen Namen wie Gerd Natschinski oder Siegfried Köhler für fröhlich-beschwingte Melodien, die Naumilkatschen Melodien sind schon durchwachsen und z.T. auf Kindergartenniveau. . . Manche der Lieder ließen sich auch heute noch unbeschwert singen wie "Es wollen zwei auf Reisen gehn" oder die ersten beiden Strophen des "Liedes der jungen Naturforscher" ( Die Heimat hat sich schön gemacht). Wie, nur die beiden ersten Strophen ? Ja, denn Zeilen wie "und werden wir erst wissend sein, fügt sich uns die Natur" atmen noch den Geist der Hybris aus der Welt Stalins und Lyssenkos. Aber auch unsere Nationalhymne besteht ja nur noch aus einer Strophe des einstigen Deutschlandliedes. . . Und "Unsre Heimat" sollte eigentlich als ideologisch fast gänzlich ideologisch unbelastet ein Evergreen sein.
Kritischer zu werten sind schon Lieder wie "Gute Freunde in der Volksarmee" oder "Hör ich die Soldaten singen" - ein Stück des eigentlich so geächteten preußischen Militarismus war dem Einheitssozialismus nämlich gar nicht so fremd, wenn auch nur als Waffe der Disziplinierung nach innen.
Sollte aber nun jemand in dieser Zusammenstellung von Liedern der verblichenen Pionierorganisation pure Ostalgie sehen, so höre er mal aufmerksam auf die eingestreuten authentischen Zwischentexte von offiziellen Veranstaltungen. Selbst wenn sie zur Verklärung gedacht wären, würde dies durch den Text konterkariert werden ! Von Erklärungen verdienter Pioniere im "Ballast der Republik" ( merke: laß nie einen Sachsen eine pathetische Erklärung abgeben: er macht sie zur Satire, wie das bekannte "Von dor Ssoffjetunion lernen heißt sieschn lernen" ), über die man schmunzeln kann, reicht die Palette bis zum Pioniergelöbnis von 1952 in widerlichem Propagandaton, die einem die Vereinnahmung der kindlichen und jugendlichen Ideale trefflich vor Augen - bzw, vor Ohren - führt.
Der Text des beiliegenden booklets ist von einem gewesenen Pionier mit einem Augenzwinkern geschrieben worden, der zu guter letzt der Pionierorganisation eins anrechnet: ""während man in mehrere der Massenorganisationen ohne eigenes Zutun aufgenommen wurde, war sie einzige, die ihre Mitglieder zwangsweise wieder ausschloß" !
Dieser Tonträger wird sicherlich nicht jedermanns Wohlgefallen finden - dennoch ist wírd er seine Käufer finden. Wer in alten Ost-Erinnerungen schwelgen möchte wird hiermit so gut fahren wie der, der kritisch an das DDR-Liedgut herantreten möchte. Davon abgesehn - in unsern Schulen wurden auch ganz unbelastete Lieder gelernt, und die Textsicherheit ist diesbezüglich bei meinen Freunden aus den FNBL immer etwas höher als bei meinen Freunden aus den alten Ländern. . . aber vielleicht nur, weil meine Schulen besonders sangesfreudig waren. Oder ?
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 11. September 2003 |